Der Leinemäander und der Wahrberg

phone3 gps doc3
zurück zur
Kurzversion
Kurztext Leinemäander + Wahrberg
GPS-Koordinaten:
51° 39′ 43,1″ N
9° 57′ 21,5″ O
Seite als PDF download

Der Leinemäander und der Wahrberg

Hauptarm der Leine
Hauptarm der Leine

 

Südwestlich Ihres Standortes teilt sich die Leine in einen Hauptarm, der unmittelbar neben dem Radweg verläuft, und einen besonderen Seitenarm.

Ein reicher Baumbestand kennzeichnet diesen Flussabschnitt. Durch den Nebenarm ist hier ein ursprünglicher Leinemäander erhalten geblieben. Als Mäander wird eine Abfolge von Flussschlingen bezeichnet, die sich natürlicherweise im Verlauf von Bächen und Flüssen bei ihrem Weg durch die Landschaft ausbildet. Ursache für ihre Entstehung ist, dass das Wasser niemals gerade und auf dem kürzesten Weg bergab fließt, so dass der Stromstrich (Bereich der schnellsten Fliessgeschwindigkeit) pendelt.

Die Stellen, an denen die schnelle Strömung auf das Ufer trifft wird Prallhang genannt. Hier wird Material abgetragen, so dass es unterspült wird und schließlich abbricht. Dies führt zur Entstehung von Steilufern. Das gegenüberliegende Ufer (im Strömungsschatten) wird als Gleithang bezeichnet. Hier wird Material (Sand, Steine) wegen der geringeren Strömung abgelagert und der Bereich ist in der Regel flach.

Der Mäanderbereich bei der Ortschaft Elvese zeichnet sich durch ein Nebeneinander vielgestaltiger Lebensräume für Pflanzen und Tiere aus. In den Uferabbrüchen kann der Eisvogel seine Brutröhren graben. Flache Kies- und Sandbänke bieten einigen durchziehenden Vogelarten wichtige Rastmöglichkeiten. Geschützte Wasserbereiche sind für Fische und Vögel von großer Bedeutung. Beim Blick in nordwestliche Richtung ist der 251 Meter hohe Wahrberg zu sehen, auf dem eine Fläche von 25 ha unter Naturschutz gestellt wurde.

Allgemeiner Schutzzweck ist, den Wahrberg mit seiner landschaftsprägenden Gestalt als Lebensraum der an Kalkstandorte gebundenen Lebensgemeinschaften von wildlebenden Pflanzen- und Tierarten zu erhalten und zu entwickeln. Das abwechslungsreiche Landschaftsbild besteht aus naturnahen Kalktrockenrasen, die in der Vergangenheit durch Beweidung entstanden sind. Durch die Standortverhältnisse mit extremen Temperaturschwankungen ist das Gebiet Lebensraum entsprechend angepasster Arten in hoher Vielfalt. So wachsen auf dem Wahrberg zum Beispiel Gold- und Silberdisteln, Fransen-Enzian und einige Orchideenarten wie das Männliche Knabenkraut und die Fliegen-Ragwurz.

Alte Kopfweide
Alte Kopfweide

In südliche Richtung blickend, fallen zwischen dem Radweg und der Leine mehrere Kopfweiden auf. Diese Bäume weisen am Ende ihres Stamms eine deutliche Verdickung (sog. Kopf) auf, von der die geraden Äste meist steil emporwachsen. Bis vor wenigen Jahrzehnten wurden die Weiden von den Menschen wegen ihrer enormen Schnellwüchsigkeit und ihrer hohen Ausschlagfähigkeit genutzt. Dazu wurden vor allem die Silberweide (Salix alba L.) und die Korbweide (Salix viminalis L.) in etwa zwei Metern Höhe abgesägt. Die neu austreibenden Äste wurden nun in regelmäßigen Abständen abgeschnitten und vielseitig verwendet. Im Laufe der Zeit verdickte sich der obere Abschnitt des Stammes, und es entstand der Kopf der Weide. Die sehr biegsamen Weidenruten wurden zu Korbwaren verarbeitet. Ältere Äste dienten als Besen- und Werkzeugstiele oder als Zaunpfähle.

Heute gibt es kaum noch eine wirtschaftliche Nutzung der Weiden, da sich industrielle Ersatzprodukte durchgesetzt haben. Wird eine Kopfweide aber über einen längeren Zeitraum nicht mehr geschnitten, verändert sich ihre Statik, was ein Auseinanderbrechen zur Folge haben kann. In der Regel werden Kopfweiden heute nur noch aus Naturschutzgründen gepflegt, um sie als wichtigen Fortpflanzungs- und Nahrungsraum zu erhalten. Denn Kopfweiden stellen für zahlreiche Tierarten, unter denen sich auch seltene und gefährdete Arten befinden, unersetzbare Lebensräume dar. Alte Exemplare können von mehr als 400 Insektenarten bewohnt werden. In den hohlen Stämmen und ausgefaulten Baumhöhlen brüten viele Vogelarten, wie auch der seltene Steinkauz. Ferner bewohnen auch einige Säugetiere, wie z.B. Fledermäuse, Siebenschläfer und Marder alte Kopfweiden. Darüber hinaus bereichern die markanten Baumgestalten das Landschaftsbild und sind als Relikte einer traditionellen Nutzungsform kulturhistorisch von großem Wert.

Standort